Bild und Lyrik


An den Tag
An den Tag

An den Tag

 

Mir leuchtet schon der Morgen

noch im Traum und Schlaf,

die frische Luft, das helle Licht,

es weckt mein Herz,

mit Freude schlägt es Schlag um Schlag.

 

Es ist so viel, so wunderbar,

was dieser Tag mir bringt,

so kostbar zart, voll Leichtigkeit,

wie Blätter in dem Wind.

 

Ich saug mir diesen Tag

in meine offne Seele ein,

du gibst mir Kraft,

du gibst mir Glück,

du bist und bleibst auf ewig mein.

 

© K.St.B. 10.10.1988


Ein Hauch
Ein Hauch

Ein Hauch

 

Wo ist sie, ich fass sie kaum,

die Glückseligkeit in meinem Raum?

Ich weiß, ich muss sie suchen,

nicht da und dort, nicht allerorts.

Sie ist so nah, jedoch so zart,

es mir nur manchmal glücken mag,

sie zu streicheln, sie zu berühren,

für sie zu sorgen, mich um sie bemühen.

Sie ist der Kern meines Lebens,

sie ist die Ruhe meiner Seele.

 

© K.St.B. 30.04.1985


Schmerz und Seele
Schmerz und Seele

Schmerz und Seele

 

Körper ist Schmerz

ist Seele zugleich

die Seele sie kreist

fängt den Schmerz

trägt ihn fort

wandelt ihn

gibt ihn uns gereinigt zurück

wir nehmen ihn dankbar auf

der Kreislauf geht weiter

eines Tages bleibt er steh'n

der Kreislauf

erleichtert hebt sich nun die Seele

sie darf schweben.

 

© K.St.B. 17.121990


Ich fliege
Ich fliege

Ich fliege

 

Losgelöst von dieser Erde

schwebe ich nun in dem All,

leicht, ganz leicht ist meine Seele,

wohl, sehr wohl ist es mir dann.

 

Sehe goldne Sterne blitzen,

und der Mond scheint freundlich hell,

auf der dunklen Erde unten,

Stille, Schweigen, überall.

 

Auch die Sonne gehet unter,

wo ist jetzt der Horizont?

Bin ich oben, bin ich unten?

Flügel tragen mich davon.

 

Nun bin ich ja doch ein Vogel,

fliege, fliege hoch hinauf,

keine Schmerzen die mich knebeln,

Freiheit, ach du schöner Traum!

 

© K.St.B. November 1990


In Stille
In Stille

In Stille

 

Glücklich sein,

das bedeutet alle Menschen zu lieben!

Glücklich sein,

das bedeutet sich selbst zu lieben!

Glücklich sein,

das bedeutet eine Rose zu lieben!

Glücklich sein,

das bedeutet Gott zu lieben!

 

© K.St.B. 30.04.1985


Vertan
Vertan

Vertan

 

Vertan so viele Stunden

das Leben wie der Wind

das Licht, es ist entschwunden

die Kraft, sie ist dahin.

 

Es wärmt nicht mehr die Sonne

es fröstelt mich so sehr,

vertan sind viele Stunden

und keine, nicht eine bleibt mir mehr.

 

© K.St.B. 17.03.1989


Im Ruhestand
Im Ruhestand

Im Ruhestand

 

Es dreht und dreht sich das Karussell,

auch wenn wir rufen: "Halte ein!"

Die Reise, sie geht weiter,

vorbei an Menschen,

Blumen, Bäumen und Getier,

an Seen, Bergen, Meeren.

Ein Wirbel ist das Leben!

 

Doch dann, irgendwann,

dürfen wir in Ruhe die Sommerblumen betrachten,

still sitzen auf einer Bank,

unsere Gedanken dürfen bei einem fallenden Blatt weilen,

manchmal nur kurze Zeit,

manchmal sehr lange,

manchmal zu lange.

 

© K.St.B. 17.12.1990


Wegweiser
Wegweiser

Wegweiser

 

Scheideweg,

unentschlossen steh' ich davor,

sehe nur dich.

Wann kommt der Tag,

der alles bricht?

 

© K.St.B. 01.02.1988


Mein Herbst
Mein Herbst

Mein Herbst

 

Herbsthimmel,

unvergleichlich blau,

voll Klarheit, Kraft und Licht,

mit braunen Blättern,

Rot und Gold,

und alles weht im Wind.

 

Mir schweigt der Mund,

die Augen auf,

die Hände ruhen sanft.

Mein Herbst,

du wärmst mich innerlich,

mein Herbst,

ich liebe dich.

 

© K.St.B. 20.01.1989


Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

 

Sonne, du bist müde,

möchtest schlafen geh'n,

ziehst langsam dein Nachtgewand an.

Vom leuchtenden, brennenden Gold,

wechselst du schweigsam und gemächlich in Purpurrot.

Jetzt darf ich in dein Antlitz blicken,

darf deine Konturen wahrnehmen,

darf genau dir gegenüber sitzen,

darf mit dir sprechen.

Bist du eine Gesandte Gottes,

auf dass wir mit dir in Frieden zu Bette gehen dürfen?

Du bist schön!

Oh, wie dein Anblick unsere Seelen streichelt!

Die Vögel, die Möwen, das Meer,

wir Menschen sagen dir Gute Nacht.

Jetzt können auch wir mit ruhigem Herzen schlafen,

vielleicht sogar von deinen wunderbaren wärmenden Strahlen träumen.

 

© K.St.B.  Juni 1986


Schlafwandeln
Schlafwandeln

Schlafwandeln

 

Wandle im Hellen,

leicht und hoch,

Flügel schwingen mich empor.

Hoch, höher,

ach, wie weit?

Unendliches Glück,

unendliche Zeit!

 

© K.St.B. 01.02.1988


Lehmziegel (Adobe)
Lehmziegel (Adobe)

Das Original-Gedicht habe ich im Norden von Chile, in Mamiña, auf Spanisch geschrieben und heißt "Adobe"

 

Lehmziegel

 

Ich bin Lehm, kräftig, hart und strohig,

ich habe die Farbe der Anden,

die Farbe dieser Erde,

kaffeebraun,

über Jahrhunderte hindurch.

Ich werde im Laufe der Jahre geboren,

so wie die Menschen auf dieser Erde,

und irgendwann werde ich wie sie sterben.

Dann lösen sich unsere Körper auf,

sehr langsam,

in unserer trockenen Luft,

die eine Mischung aus blauem Himmel

und brauner Erde ist,

und dann, nach vielen Jahren,

ich, Ziegel aus Lehm, kräftig, hart und strohig,

wenn der Mensch und die Tiere micht nicht mehr brauchen,

entspanne ich mich,

werde sehr langsam zu Staub,

werde wieder Erde,

kaffeebraun,

um eines Tages,

Gott und die Sonne wissen wann,

wieder geboren zu werden,

und Gott und die Sonne werden auch wissen,

in welcher Form.

Werde ich ein Vogel sein,

und über die kaffeebraunen Berge fliegen?

Werde ich ein kleiner Esel mit langen Ohren,

in einem kaffeebraunen Stall sein?

Oder eine kaffeebraune vicuña mit neugierigem Blick?

Vielleicht auch ein Strauch in kaffeebrauner Wüste?

Oder - Glückseligkeit - vielleicht ein kleines Kind

mit gebräunter Haut und kaffeebraunen Augen?

Oder werde ich ganz einfach wieder das sein,

was ich schon immer war -

ein kaffeebrauner Ziegelstein?

 

© K.St.B. Original: 1993 / Meine Übersetzung: 27.02.1994


Aegyptische Vision
Ägyptische Vision

Ägyptische Vision

 

Silbern leuchtet das Pflaster

in der lautlosen Nacht,

als ob der zarte Schein des Mondes

sich seiner Einsamkeit erbarmt hätte.

 

Nur deine Schritte hallen durch die engen Gassen,

und dein Schatten schleicht sich

an den Wänden der Häuser entlang.

 

Deine Augen sind weit geöffnet,

sind müde vom Wind und vom Tagessand,

und sie nehmen die reine und klare Luft

der dich umgebenden Nacht in sich auf.

 

Irgendwo, aus den lehmigen Mauern,

dringen kaum vernehmbare Klänge

stufenlos in die silberne Nacht,

und magnetisch angezogen gehst du

in ihre Richtung durch die Gassen.

 

Ein gelber Lichtkegel fällt durch eine Tür

hinaus auf das silbrig schimmernde Pflaster.

Golden schimmern nun die silbrigen Steine,

und golden schimmert jetzt auch dein Schuh.

 

Zögernd tragen dich deine müden Füße

in den vom Licht erfüllten Raum.

Nun wirst du ein Teil der schweigenden,

lauschenden, schauenden,

vom Rhythmus verzauberten Menschen.

Hingerissen schaust du zu der tanzenden Frau,

zu den durch die Bewegung fliegenden Schleiern.

Deine Augen sind erfüllt von den Farben,

die wie Flammen zum Himmel züngeln.

 

Allmählich erkennst du ihre kreisenden Hüften,

und den türkis schimmernden Nabel.

Heiße Luft erfüllt den Raum

und die Sinne der schweigenden Zuschauer.

 

Du schaust in zwei schwarze Augen,

die dich locken wollen in tiefe Brunnen,

und du vergisst deine Einsamkeit,

vergisst dein lautloses Wandern durch die Gassen.

 

Doch plötzlich, unerwartet, schweigen die Instrumente

und das Bühnenlicht geht aus.

Auch die Tänzerin,

mit ihrem verführerischen weißen Leib,

mit dem geschmückten Nabel,

mit ihren verheizenden Blicken,

ist verschwunden.

 

Ungern verlässt du den noch warmen Raum,

und gehst in die kühle Nacht.

Die Gassen sind erfüllt von lauten Stimmen.

Nur noch silbrig schimmert das Pflaster,

kein goldener Schimmer ist auf den Steinen zu sehen,

denn die Tür wurde nach dir geschlossen.

 

Jahre später wanderst du müde im tiefen Winterschnee,

und der kalte Wind lässt deine Augen tränen,

und diese Tränen vermischen sich mit der Erinnerung

an jenen silbrig golden schimmernden Abend.

Und du siehst wieder die schwarzen Augen,

die kreisenden Hüften mit dem türkis leuchtenden Nabel.

Und wieder strömt flammende Hitze durch deinen Körper,

denn du weißt, so sicher wie auf Nächte Tage folgen,

dass die Ägyptische Vision dir auch noch im Grabe

deinen ewigen Schlaf mit stufenlosen Klängen begleiten wird.

 

© K.St.B. 12.02.2004


Die blutigen Tränen der Kriege
Die blutigen Tränen der Kriege

Die blutigen Tränen der Kriege

 

Ein Schuss

eine Frau schaut erstaunt auf ihren Laib

dann sackt sie zusammen

sie und ihr unfertiges Kind wurden getroffen

ihre schon geborenen Kinder warten in der Hütte

auf das von der Mutter versprochene Brot

 

Ein Auto explodiert mit einem Knall

Flammen zischen zum blauen Himmel

dem Menschen in der Nähe wird keine Zeit zum Beten gewährt

sie fliegen zerstückelt durch die Luft

die jetzt nicht mehr die Düfte des Lebens weiterträgt

 

Warnend heulen die Sirenen

künden feindliche Bombenflieger an

aber nein, das war einmal

die Menschen von damals haben nur geträumt

und manchmal erzählen sie die Schrecken aus jener Zeit ihren Enkeln

doch die Erzählungen verblassen

und nach wie vor werden die blutigen Tränen der Kriege fließen

solange Menschen auf diesem einmalig schönen Planet leben

 

© K.St.B. 24.08.2013