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Die Boote fahren nicht mehr aus“ von Tomás O’Crohen

Rezension für „Die Boote fahren nicht mehr aus“ von Tomás O’Crohen

Karin Steinberg-Berge 23.03.2006

 

Fischer Tomás O'Crohan erzählt von seinem Leben auf der großen Blasket-Insel

 

Mich beglückt es immer wieder, wenn ich ein Buch von einem mir unbekannten Autor entdecke, das ich nicht mehr aus der Hand legen kann.  Die Bücher, die ich mir kaufe, wähle ich nicht, weil der Autor berühmt ist, weil er einen Nobel-Preis bekommen hat, weil er auf der Bestsellerliste ganz oben steht, sondern ich kaufe es mir, weil die Geschichte in eine Landschaft eingebettet ist, die mich fasziniert. Ich liebe Inseln, ich liebe das Meer, vielleicht deswegen, weil ich auf einer Insel aufgewachsen bin und das Meer direkt vor der Nase hatte. Das Buch von Tomás O'Crohan habe ich unter diesen Gesichtspunkten gewählt - und nicht bereut.

 

Nun aber zum Buch selber.

Am äußersten Westrand von Irland liegen die Blasket-Inseln und der Fischer Tomás O'Crohan erzählt in seinem Buch von seinem Leben auf der großen Blasket-Insel. Anfänglich hat mich der einfache Erzählstil gestört. Ich hatte das empfinden, als ob ein Kind in der Schule einen Aufsatz schriebe: Zu kurze Sätze, Sätze die 3x hintereinander mit "dann" anfangen,  Wiederholungen usw. Aber irgendwann akzeptiert man die einfache, kindliche Sprache, und auch irgendwann merkt man, dass sie sich zusammen mit dem Leben des Fischers O'Crohan entwickelt. Wenn er von seiner Zeit als Kind schreibt, ist seine Sprache eben kindlich. Wenn er von seiner Jugend und seinem Leben als junger Mann berichtet, entwickelt sich auch sein Schreibstil. Und wenn er als alter Mann sich stark für die gälische Sprache einsetzt, dann erreicht er mit seiner Ausdrucksform den Höhepunkt. Ich will damit sagen, dass seine Art zu erzählen, zusammen mit seinem Leben wächst. Ein großes Lob verdienen aber auch Annemarie und Heinrich Böll, denn sie haben dies erkannt und in der deutschen Übersetzung aus dem Englischen wunderbar wiedergegeben.

 

O'Crohan erzählt nicht nur von sich als Mensch und Fischer, sondern auch von seinen Mitmenschen auf der Insel. Alle kämpfen ein Leben lang um die nackte Existenz. Sie ernähren sich in der Hauptsache von Fisch, harten einfachen Brot und, wenn die Ernte auf den kargen Feldern einigermaßen gut war, von Kartoffeln. Und wehe dem, der nicht rechtzeitig für den Winter genügend Torf gestochen und in einer Torfkiepe nach Hause gebracht hat. Ist der Fischfang reichlich gewesen, salzen sie ihn ein und fahren mit ihren Kuttern zum Festland, nach Dunquin, um ihn zu verkaufen. Es ist nur verständlich, dass sie dann die Gelegenheit beim Schopf packen, eine Kneipe besuchen, reichlich Whiskey trinken und singen. Überhaupt, das Singen gehört zu ihrem Leben. Wenn gefeiert wird, dann gehört Alkohol und Gesang dazu. Tomás O'Crohan erzählt auch, wie sie in Höhlen, bei gefährlicher Brandung, Robben fangen, wie sie auf Kaninchenjagd gehen, denn beides bringt etwas Abwechslung in die kargen Mahlzeiten. Aber auch die Kunst des Erzählens kommt nicht zu kurz, denn der Nachbar, der kahle Tom, beherrscht diese Erzählkunst meisterhaft. Und sogar ein Dichter mit Namen Dunlevy versucht immer wieder seine Gedichte an den Mann zu bringen, hält damit den Fischer Tomás von der Arbeit ab.

 

Und nun werde ich meine Rezension beenden, denn, wenn ich weiter erzähle, müsste ich das ganze Buch hier beschreiben. Aber das ist ja nicht der Sinn einer Rezension, diese soll ja nur das Interesse für das Buch wecken.

 


Anmerkung für dieses Buch bei www.amazon.de

>Dieser Bericht, der eigentlich eine poetische Schilderung ist, gilt mittlerweile als eines der wichtigsten Werke der gälischen Literatur. Für Irland-Begeisterte ist er gar zum "Kultbuch" geworden.

Tomas O'Crohan (1857-1937), der Bauer und Fischer von der Großen Blasket-Insel am äußersten Westrand Irlands, erzählt von tollkühnen Meeresfahrten und Jagden, von Festen mit Spiel und Trunk, von bitterem Hunger, wenn der Fischfang mißglückt ... "Leute wie uns wird es nie mehr geben.<


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