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Chopin Etüden - Pianist Amir Katz

Rezension-Etudes von Frédéric Chopin – Pianist: Amir Katz

Nur sehr selten spüre ich einen leichten Strom der meine Haut berührt wenn ich Musik höre, die so gespielt wird, dass dies geschieht. Sicherlich, es sind sehr hochtrabende Worte, aber sie entsprechen der Wahrheit. Und das geschieht, wenn ich Amir Katz mit den Etüden von Chopin höre.

Ich dachte, kein Pianist könnte die Etüden besser spielen als Maurizio Pollini. Und da muss ich mich korrigieren. Allerdings nicht indem ich sage: Amir Katz spielt die Etüden besser als Maurizio Pollini. Nein, das sicherlich nicht. Aber er spielt sie anders. Das Spiel von Pollini ist filigran, perlend. Das Spiel von Katz ist männlich, berauschend. In der Etüde Nr. 4 kommt diese Männlichkeit voll zur Geltung. Sie ist wie ein wilder Strom. Die Töne fließen unaufhaltsam dahin. Manchmal könnte man meinen, der Musikstrom hält inne, wie am Anfang der Etüde Nr. 23. Aber das täuscht. Es ist, als ob nur für Sekunden der Strom langsamer fließt, um danach in voller Geschwindigkeit, Kraft und unaufhaltsam los zu schießen ohne die perlenden Töne zu zerstören. Ganz im Gegenteil: Sie fließen mit, lassen den Musikstrom transparent erscheinen.

Es ist ein großartiges Erlebnis die Etüden von Frédéric Chopin von Emir Katz zu hören.

 

©Karin Steinberg-Berge, 01.06.2017


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